Umgang mit Rückstau und zukunftsorientierte Sanierung der Entwässerung eines alten Wohnhauses

Bestand

Der Bauherr plant die Kernsanierung eines typischen Wohnhauses Baujahr 1952. In diesem Zug soll auch die Entwässerung erneuert werden. Das Wohnhaus befindet sich in Baden-Württemberg besteht aus 2 Vollgeschossen mit Satteldach und ist unterkellert. Im Keller befindet sich sowohl eine Garage als auch diverse Kellerräume und der Heizraum. Um das Haus befinden sich asphaltierte Verkehrsflächen und zwei Parkplätze in schlechtem baulichen Zustand. 

Es wurde eine Kanalbefahrung durchgeführt, um den Zustand der Leitungen zu erfassen und bestehende Pläne auf Lücken zu prüfen. Die Leitungen waren allesamt in altersentsprechendem Zustand, hatten aber keine gravierenden Schäden. 

Es gibt 2 Fallrohre DN100 für Schmutzwasser, die an der Kelleraußenwand entlang zum Schmutzwasserkontrollschacht geführt werden. In der Garage befinden sich zwei Bodenabläufe, ein weiterer Bodenablauf ist in der Waschküche, die sich ebenfalls im Kellergeschoss befindet.
Die asphaltierten Außenflächen entwässern in einen Hofeinlauf der dann mit den Bodeneinläufen im Keller verbunden ist und von dort zum Kontrollschacht geht. 

Die beiden Regenwasserfallrohre befinden sich an der nördlichen Seite des Hauses und entwässern von dort im Mischsystem in den Mischwasserkontrollschacht. Ein weiteres Fallrohr befindet sich an der Südseite und nimmt dort das Regenwasser der beiden Balkone auf und führt es an der Waschküche ebenfalls in die Mischwasserleitung unter der Bodenplatte. 

Anforderungen des Bauherrn

Der Bauherr hat geplant die Entwässerung im Rahmen der Kernsanierung auf zeitgemäßen Stand zu erneuern. Der Keller soll gegen Rückstau gesichert werden, da in der Vergangenheit mehrfach Rückstau aus dem öffentlichen Kanal aufgetreten ist. Außerdem soll die Heizanlage des Gebäudes von Etagenheizungen auf Zentralheizung umgestellt werden. Mit der Zentralheizung und dem Stromspeicher sind damit bedeutende Sachwerte im Keller vor Wasser zu schützen. 

Das Regenwasser soll gesammelt und für die Gartenbewässerung genutzt werden. Die einhergehende Reduzierung der Gebühr für Niederschlagswasser steht nicht im Vordergrund, verbessert aber die wirtschaftliche Betrachtung der Erneuerungsmaßnahme. 

Sanierungsentwurf

Um das Gebäude effektiv vor Rückstau zu sichern, ist eine Rückstauklappe mit Hebeanlage unumgänglich. Da der Kontrollschacht in schlechtem Zustand ist, wird dieser durch ein DN1200 Schacht aus Kunststoff ersetzt. In diesem wird das Schmutzwasser von oberhalb der Rückstauebene direkt an den Anschlusskanal angeschlossen, das Schmutzwasser von unterhalb der Rückstauebene wird über eine Hebeanlage geführt. Das geschlossene Gerinne des Schmutzwassers oberhalb der Rückstauebene wird mit einer Revisionsöffnung ausgeführt, um spätere Inspektion und Sanierung zu ermöglichen. Die Fallrohre und alle weiteren Leitungen an der Kellerwand fachgerecht erneuert. Die Bodeneinläufe wurden durch moderne Kellereinläufe ersetzt. Die verbindenden Leitungen unter der Bodenplatte wurden belassen, da diese keine gravierenden Schäden aufwiesen. Bei Bedarf ist eine nachträgliche Sanierung mit Schlauchlinern möglich. Der Bodenablauf in der Waschküche wird durch ein zeitgemäßen Anschluss für Waschmaschinen an der entsprechenden Wand ersetzt.  

Das Regenwasser wird vom Schmutzwasser entkoppelt und mit einer Leitung DN150 um das Haus geführt. Ein Drehen des Gefälles der Regenrinne wurde geprüft, ist aber aufgrund der Geometrie des Hauses nicht möglich. Unter den Parkplätzen wird eine Zisterne aus Kunststoff mit einem Volumen von 7,5 m³ verbaut. Diese ist PKW befahrbar und kommt in einem Komplettpaket mit Reinigung des zulaufenden Regenwassers, Pumpe und Anschlüssen für Gartenschläuche. Die Oberfläche der Parkplätze wird mit Rasenfugenpflaster ausgebildet, um anfallendes Regenwasser sofort zu versickern.
Die um das Haus vorhandenen Asphaltflächen werden über eine neue Pflasterrinne aus Granit Richtung Garten entwässert. Dort wird eine kleine Mulde angelegt, in der das Regenwasser versickern kann. Die Mulde wird mit Unterstützung eines Landschaftsgärtners optisch ansprechend und ökologisch wertvoll mit heimischen Gehölzen, Sträuchern und Pflanzen bestückt.
Der Notüberlauf der Zisterne wird ebenfalls in die Mulde geleitet. 

Ergebnis

Die Wünsche des Bauherrn nach Rückstausicherheit im Keller, Nutzung des Regenwassers für die Gartenbewässerung und Reduzierung der Niederschlagswassergebühr konnten voll erfüllt werden. Außerdem konnte der Wartungsaufwand durch die smarte Unterbringung der Hebeanlage als Komplettsystem im Kontrollschacht minimiert werden. Des Weiteren wurde der Platz im Keller maximiert und nicht durch die Hebeanlage verbaut. Die Gestaltung der Parkplätze und der Versickerungsmulde wurde ökologisch wertvoll, optisch ansprechend und technisch sinnvoll gelöst.