Nach dem Wassergesetz Baden-Württemberg müssen Abwasseranlagen regelmäßig vom Betreiber geprüft werden. Diese Anforderung folgt aus dem Wasserhaushaltgesetz, dass den Betreiber von Abwasseranlagen verpflichtet diese jederzeit nach den anerkannten Regeln der Technik zu betreiben. Das Ziel ist, die drei Anforderungen an Abwasseranlagen Standsicherheit, Betriebssicherheit und Dichtheit dauerhaft zu gewährleisten.
Sichtung des Bestands
Als erster Schritt wird der Bestand gesichtet. Dazu gehören Bestandspläne, sowohl digital als auch in Papierform wenn nötig, vergangene Befahrungen, Sanierungen und weitere relevante Faktoren. Diese sind zum Beispiel Topographie, Siedlungsstruktur und die Erfassung vorhandener struktureller Problemstellen im System.
Kanalbefahrung
Die TV – Inspektion ist das Fundament eines jeden Sanierungsfahrplans und ist unverzichtbar. Durch sie kann der Zustand des Kanals objektiv beurteilt und potenzielle Schäden frühzeitig erkannt werden. Aufwändige und teure Überraschungen und Fehlplanungen werden somit vermieden. Besonders weil Rohrleitungen vorborgen liegen, bleiben sich selbst verstärkende Schäden wie Wurzeleinwuchs oder Hohlräume nach Scherbenbildung häufig unentdeckt. Eine fachlich gute Inspektion liefert somit Daten zur Zustandserfassung und ist die Grundlage für den langfristigen Werterhalt der Infrastruktur.
Es ist essenziell für die Inspektion kompetenten Fachfirmen zu beauftragen, die mit moderner Technik und persönlichen Engagement hochwertige Aufnahmen anfertigen.
Auswertung
Nach der Befahrung werden die Aufnahmen ausgewertet. Dies erfolgt zuerst digital anhand der Haltungsprotokolle, dann manuell durch eine ingenieurtechnische Beurteilung. Die Unterstützung von KI ermöglicht er uns eine Beurteilung durch einen Ingenieur auf höchstem Standard zu leisten und dennoch schnell und kostengünstig zu arbeiten. Bei der Auswertung werden zunächst die Schäden erfasst und nach ihren Auswirkungen auf Betriebssicherheit, Standsicherheit und Dichtheit beurteilt. Das Erkennen und manuelle Prüfen von Unstimmigkeiten zeichnet interdisziplinär arbeitende Ingenieurbüro aus. Häufig werden ungewöhnliche Schäden, die Jahrzehnte lang unerkannt geblieben sind, dann entdeckt und können behoben werden, bevor gravierende Sachschäden entstehen. Das ist nicht nur auf die Schäden beschränkt, sondern auch im Besonderen auf die Stammdaten. Bei wiederholter Prüfung und Korrektur von Fehlern wird so der Bestandsplan und die Kanaldatenbank ganz nebenbei auf das höchste fachliche Niveau gehoben.
Sanierungsverfahren auswählen
Es gibt eine Vielzahl von Verfahren in der Kanalinnensanierung mit denen die meisten, aber nicht alle, Schäden in geschlossener Bauweise saniert werden können. Dazu gehören Roboterverfahren, die Sanierung von punktuellen Schäden mit Kurzlinern oder der Manschettentechnik, dem Sanieren von Anschlüssen bis hin zu dem Einbau von Schlauchlinern. Letztere stellen eine Erneuerung des Kanals dar, mit denen bei fachgerechter Planung und Ausführung eine Nutzungsdauer von vielen Jahrzehnten erreicht werden kann.
Doch nicht immer sind die Sanierungsverfahren in geschlossener Bauweise geeignet oder das wirtschaftlichste Verfahren. Teils müssen auch Verfahren in offener und geschlossener Bauweise kombiniert werden, um das fachlich beste und günstigste Ergebnis zu erzielen.
Der Vorteil einer fachlich breit aufgestellten Ingenieurbüros ist, dass sowohl geschlossene wie auch offene Verfahren in die Abwägung miteinbezogen werden. Auch eine Kombination ist möglich und führt teils zu erheblichen Kosteneinsparungen. Neben der Betrachtung verschiedenster Kanalsanierungsverfahren , ist auch das Erkennen von potentiellen Synergien mit anderen Leitungssystemen und Stakeholdern essenziell. Die sinnvolle Kombination von Maßnahmen führt zu kostenoptimierten, vereinfachten Infrastrukturmaßnahmen, die nebenbei auch noch Anlieger und Verkehr schonen.
Sanierungsfahrplan erstellen
Die Erstellung des Sanierungsfahrplans erfolgt hauptsächlich nach der Sanierungspriorität der Schäden im Kanalsystem. Schwere Schäden werden schnellstmöglich behoben, mittlere und leichte Schäden zu einem späteren Zeitpunkt. Doch ein Fahrplan nur nach diesen Kriterien führt nicht zu einem sparsamen Umgang mit begrenzt vorhandenen Ressourcen. Während sich der Sanierungsfahrplan auch immer an den vorhandenen finanziellen Mittel orientiert, kann eine smarte Planung erhebliche Kosteneinsparungen ermöglichen. Dazu werden zum Beispiel Maßnahmen örtlich und zeitlich gebündelt und mit weiteren Leitungs- und Straßenbaulastträger koordiniert. Auch die Kombination von offenen und geschlossenen Verfahren oder die intelligente Ausschreibung von mehreren Maßnahmen eröffnet weitere Einsparpotentiale. Maßgeblich muss dabei neben den drei Hauptanforderungen an das Abwassersystem auch immer die optimale Betreuung des Kanalnetzbetreiber sein.